InKüLe – Innovationen für die künstlerische Lehre ist ein fakultätsübergreifendes Drittmittelprojekt, das – gefördert von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre – am UdK Berlin Career College verankert ist. Seit Sommer 2021 widmet sich InKüLe unter der Leitung von PD Dr. Sabine Huschka digitalen Wandlungsprozessen an der Universität der Künste Berlin. In der künstlerischen Lehre hat dieser Wandel zuletzt eine starke Beschleunigung erfahren. Die Herausforderungen und Chancen digitaler und hybrider Formate haben verdeutlicht, dass sich Fragen von Präsenz, Begegnung und Innovation an einer Kunsthochschule auf ganz spezifische Weise stellen.

Auch nach der Rückkehr zum (neuen) Normalbetrieb werden an der UdK Berlin Digitalisierungsprozesse erprobt, evaluiert und weiterentwickelt. „Wir wollen das Digitale nicht als Übersetzung des Analogen begreifen und versuchen, Dinge nachzuahmen“, erklärt Präsident Norbert Palz im Interview mit dem Monopol Magazin. Vielmehr soll ein eigener, neuer Raum entstehen: „Die digitale Sphäre soll die ortsgebundene Identität erweitern“ und, so Palz, neue Möglichkeiten für die interdisziplinäre Zusammenarbeit eröffnen.

InKüLe erforscht und erkundet Transformations- und Veränderungsprozesse digital-hybrider Gestaltungs- und Kommunikationsfelder in der künstlerischen Lehre mit dem Ziel, innovative Lehr- und Lernkulturen zu etablieren. Mit Sabine Huschka (Leitung), Hannah Kattner ((ehemals) Kommunikation), Maria Kyrou und Mariam Rafehi (experimentelle Mediendidaktik) sowie Franz Siebler (experimentelle Medientechnik) haben wir über das Projekt gesprochen. 


Die Digitalisierung zählt zu den zentralen Anliegen und Herausforderungen der UdK Berlin. Welche Rolle übernimmt InKüLe in diesem Prozess?

Sabine Huschka: Künstlerische Disziplinen sind im Zeitalter der Digitalisierung von mitunter radikalen Transformationsprozessen geprägt und verändern ihre Gestaltungs- und Reflektionsformen. Dies sollte sich notwendigerweise auch in der künstlerischen Lehre widerspiegeln. So ist es für die Lehre an der UdK Berlin zentral, sich mit digitalen Medien und ihren neuen Realitätsbildern, den vielfältigen technologischen Möglichkeiten und ihren Politiken auseinanderzusetzen. Lern- und Lehrprozesse verändern sich und müssen kritisch reflektiert werden. Es ist unseres Erachtens nach wichtig, zeitgenössische Entwicklungen in den Künsten auch in der Lehre zu implementieren und den teils auffälligen „Gap“ zwischen der heutigen künstlerischen Praxis und einer traditionell strukturierten Lehr- und Lernkultur zu überbrücken. Hierzu ist es wichtig, gewisse Traditionen der Kunstvermittlung zu überdenken und neue Denk- und Handlungsräume zu ermöglichen. Diesen Prozess der Veränderung vor dem Horizont des Digitalen will InKüLe anstoßen, unterstützen und gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden gestalten.

InKüLe ist dabei zwar auf drei Jahre befristet, hat aber ein großes Potential, innovative künstlerische Digitalisierungsprozesse an der UdK Berlin zu fördern, auszuprobieren und zu reflektieren. Der zentrale Bezugspunkt hierbei sind die Künste in ihrer Vielfalt und gestalterischen Eigenheit, die die Grundlage für die künstlerischen Vermittlungsformen an unserer Universität darstellen. Wir adresssieren hierzu alle Fakultäten und Fachbereiche und haben bereits wache und interessierte Lehrende gefunden, die mit uns neue Wege gehen, Lehrformate ausprobieren und diskutieren. Das ist sehr, sehr schön. Wir bieten Technik an, aber auch eine Reflexionsebene und initiieren Lernprozesse.

InKüLe erforscht und begleitet Digitalisierungsprozesse an der UdK Berlin. © Foto: Hannah Kattner

Wie ist die Verbindung des Projekts zum UdK Berlin Career College?

Hannah Kattner: Wir sind am UdK Berlin Career College / Zentralinstitut für Weiterbildung (ZIW) verankert und werden hier als Drittmittelprojekt administrativ betreut. Die Verbindung ist durch Susanne Hamelberg zustande gekommen, die am UdK Berlin Career College vor allem für das Business Development, aber auch für Strategieentwicklung und Online-Lehre zuständig ist. Sie leitet den Drittmittelbereich am ZIW und hat das Projekt zusammen mit der Hochschulleitung konzipiert.

Das ZIW versteht sich als zentrales und fakultätsübergreifendes Zentrum und passt deshalb perfekt zu unserem Projekt, denn wir stellen unsere Technik und unser Wissen der gesamten UdK Berlin zur Verfügung. Am ZIW sind wir gut vernetzt und beispielsweise kontinuierlich mit den Masterstudiengängen Musiktherapie und Leadership in digitaler Innovation im Gespräch.

Könnt ihr uns einen kleinen Überblick über die Aktivitäten von InKüLe geben? Was sind eure jeweiligen Aufgabenbereiche?

Franz Siebler: Ich bin bei InKüLe für Experimentelle Medientechnik zuständig. Das bedeutet, dass ich – gemeinsam mit dem restlichen Team – an der Beschaffung von neuen Geräten und innovativen Technologien arbeite, aber auch an der Implementierung in die Lehre. In den letzten Monaten haben wir uns dabei auf zwei große Bereiche fokussiert, die wir als „Kits“ beschrieben und zusammengestellt haben: Einmal das Mixed-Reality-Toolkit mit verschiedensten Technologien, die die verschiedenen Bereiche der Virtualität abdecken. Der zweite große Baustein, an dem wir gerade arbeiten, ist das Streaming-Kit. Wir stellen ein Set-Up zusammen, das Uni-weit zur Verfügung gestellt werden soll, um die hybride Lehre auf der technischen Ebene zu unterstützen. Lehrende und Studierende sollen im Unterricht Streams durchführen können. Deshalb ist alles immer von beiden Seiten aus gedacht und konzipiert.

Hannah Kattner: Ich bin für die Kommunikation des Projekts zuständig und kümmere mich zudem um die Dokumentation der Lehrszenarien. Wir entwickeln gerade eine eigene Website, auf der die Ergebnisse veröffentlicht werden. Aktuell und auch zukünftig findet man zudem auf der UdK Berlin-Website alle Infos und Neuigkeiten über das Projekt. Ganz generell geht es uns nicht nur darum, Technik zur Verfügung zu stellen, sondern inhaltlich und mediendidaktisch zu erforschen, welche künstlerischen Möglichkeiten sich eröffnen und wie Lehre und künstlerische Praxis verändert werden kann.

Mariam Rafehi: Maria und ich sind experimentelle Mediendidaktiker*innen. Auf Grundlage vieler Gespräche mit den Fakultäten haben wir die Toolkits entwickelt und festgestellt, dass die Lehrenden aus unterschiedlichen Fachbereichen und Disziplinen oft ähnliche Anliegen und Fragestellungen im Umgang mit digitalen Medien und deren Potentialen und Grenzen umtreiben. Darauf haben wir bei der Entwicklung der Toolkits reagiert und begleiten dessen Implementierung in die Lehre.

Das Mixed-Reality-Toolkit wird in der Lehre erprobt. © Foto: Suet Wa Tam

Maria Kyrou:  Unsere Arbeit hat viel mit Transkription zu tun. Wir setzen uns damit auseinander, was es an der UdK Berlin bereits gibt und bringen unsere Ideen und mediendidaktische Kompetenz im Umgang mit verschiedenen technologischen Anwendungen ein. Wir begleiten Lehrszenarien und untersuchen gemeinsam mit den Lehrenden und Studierenden, wie der hybride „Cocktail“ funktionieren kann. Wir tauchen also ein in das „Universum“ UdK Berlin und verleihen dem Digitalisierungsprozess eine künstlerische Kraft.

Sabine Huschka: Nachdem wir nun ein halbes Jahr intensiv zusammenarbeiten, haben wir viele Dinge auf den Weg gebracht, Kontakte geknüpft, Lehrformate und Toolkits entwickelt. Der Schwerpunkt von InKüLe liegt auf den verschiedenen Medien in der Auseinandersetzung der Künste mit ihren Fragestellungen. Es geht – um es abzugrenzen – nicht um die Unterstützung der Lehre durch E-Learning-Programme. Im kommenden Semester laden wir verschiedene Adressat*innen an der UdK Berlin zu Workshops ein und befinden uns hier in der Planungsphase. Zudem wollen wir verstärkt Studierende mit gezielten Angeboten ansprechen.

Im Oktober bieten wir gemeinsam mit dem HZT Berlin den Workshop ‚Moving Sound‘ mit Performerin Ana Lessing Menjibar an. Einen ersten umfassenden Einblick in Fragestellungen, Prozesse, Erfahrungen und Ergebnisse geben wir auf unserem ganztägigen ‚Fachtag InKüLe‘ am 8. Dezember 2022 mit eingeladenen Künstler*innen, Lehrenden und Studierenden.

Was ist im Mixed-Reality-Toolkit enthalten?

Franz Siebler: Das Toolkit ist ein mobiles System, das Uni-weit eingesetzt werden kann. Es gibt Komponenten, die sehr zugänglich sind, aber auch solche, für die ein bestimmtes Vorwissen nötig ist. Mit diesen können komplexere Probleme gelöst werden, komplexere Fragestellungen aufgemacht werden. Wir bieten zum Beispiel Elemente zur Bilderfassung (also etwa Tiefensensorkameras), aber auch Wiedergabemedien sowie Systeme, die beides vereinen (zum Beispiel Virtual Reality-Brillen). Wir bieten leistungsstarke Computer, eine Batterie, mit der man bestimmte Sachen „outdoor“ durchführen kann und einen Tabletwagen. Mit Letzterem haben wir bereits eine Veranstaltung durchgeführt, bei der 15 Leute physisch vor Ort waren und zugleich digital miteinander kommuniziert haben. Das hat sehr gut funktioniert. Das Toolkit ist online in unserem Leihsystem einsehbar, in dem alles detailliert aufgeführt wird.

Hinweis: Das Leihsystem kann auf Anfrage freigeschaltet werden.

Wird das Toolkit noch weiterentwickelt? Sind neue „Tools“ oder Anwendungsbereiche geplant?

Franz Siebler: Ja, wir arbeiten inhaltlich am Mixed-Reality-Toolkit, ergänzen neue Komponenten und versuchen es für Studierende noch zugänglicher zu machen. Gerade bauen wir außerdem das neue Streaming-Kit, das ab dem nächsten Semester zur Ausleihe verfügbar sein wird. Wir testen es gemeinsam mit dem Studiengang „Design and Computation“ und der „New Media Class“ im Rahmen der Ars Electronica. Es ist eine Spezifizierung des ersten Toolkits, weil wir gemerkt haben, dass hier ein großer Bedarf besteht.

Sabine Huschka: Hybrid zu arbeiten ist schwieriger als rein digital: Das Streaming-Kit bietet innovative Möglichkeiten für hybride Formate – zum Beispiel um die Tonqualität zu verbessern, verschiedene Perspektiven des Raums einzubeziehen oder zusätzliche Informationen wie Abstracts und Abläufe parallel darzustellen. Es geht um Bildübertragung, die flexibel genug ist, um verschiedene Ausschnitte oder Bewegungen einzubeziehen. Wir haben Verschiedenes ausprobiert und dabei auch festgestellt, was nicht funktioniert. Das Streaming-Kit zeichnet sich dadurch aus, dass es mobil nutzbar ist und auch ohne große Einarbeitung eingesetzt werden kann.

© InKüLe-Team
Hybride Formate im Praxistest, Juni 2022. © Foto: InKüLe

Was treibt euch bei eurer Arbeit an?

Franz Siebler: Wir haben ein großes Interesse daran, verschiedene Streamingformate experimentell anzugehen und verschiedene Zugänge zu finden. Dabei finden wird es besonders spannend, wenn Formate über die reine Kommunikation hinausgehen, wie wir sie aus dem Analogen kennen. Das erproben wir derzeit.

Maria Kyrou: Wir haben festgestellt, dass an der UdK Berlin viele wunderbare Dinge passieren und interessante Gespräche geführt werden, die ohne das richtige technische Set-Up jedoch verlorengehen. Ein Ziel unseres Streaming-Kits war es, diese Lücke zu schließen. Als wir dann mit den Geräten experimentierten, haben sich neue kreative Möglichkeiten eröffnet. Das zeichnet den Möglichkeitsraum aus, den wir erkunden, den wir weitergeben wollen und als Teil einer neuen Praxis implementieren: vom Experiment hin zu einer neuen Lernkultur.

Mariam Rafehi: Wir probieren Szenarien und Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus, die langfristig in die Lehre einfließen sollen.

Wurde euer Toolkit bereits in der Lehre erprobt?

Hannah Kattner: Ja, zum Beispiel in einem Kurs von Franziska Schreiber, in dem Studierende aus den Bereichen Design, Computation und Modedesign unsere Tools getestet haben.

Maria Kyrou: In diesem Workshop ging es um Bodyscanning, um die Arbeit mit Körpern und Textilien sowie um die Frage, wie Materialität und Form neu gedacht werden können. Es sind neue physische und digitale Artefakte entstanden…

Mariam Rafehi: … dreidimensionale Aufnahmen, die dann einen Prozess der Manipulation durchlaufen.

Maria Kyrou: Das ist im Grunde mit der traditionellen Fotografie zu vergleichen: Es entsteht eine andere Version der Realität. Man erfasst etwas anhand der Möglichkeiten, die uns das jeweilige Medium bereitstellt. Dieser technologische Prozess, der neue Workflow, bringt seine eigene „Farbe“ oder „Patina“ mit sich. So können ganz neue kreative, experimentelle Strategien umgesetzt werden.

Welche weiteren Fragestellungen haben sich eröffnet? 

Sabine Huschka: Mich interessiert beispielsweise sehr, wie sich Lernkulturen durch die Integration digitaler Medien verändern. Der Zugang der Studierenden – so meine These – ist unmittelbarer und intuitiver als der von vielen Lehrenden, die aus einer anderen Generation und Tradition ihrer Kunst kommen. Im Workshop mit Franziska Schreiber etwa haben die Studierenden in Paaren aus verschiedenen Studiengängen zusammengearbeitet. Es brauchte nicht mehr als eine zehnminütige Kurzvorstellung der Tools, dann wurde einfach ausprobiert und intensiv gearbeitet. Im Arbeitsprozess selbst wurde klar, welche Raffinessen möglich sind. In der Reflexion mit Studierenden können wir herausfinden, was sich ändert, wenn digitale Medien in Lehrformaten experimentell, intuitiv und kritisch genutzt werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch!


Weitere Informationen zu InKüLe | Weitere Informationen zum Fachtag am 8. Dezember 2022

Beratung: montags 14 – 15 Uhr, online oder telefonisch unter 030 3185 2667

Kontakt: inkuele@intra.udk-berlin.de

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